Adventure | Science Fiction | Ghost stories | Poetry | Children | History Aus dem Leben eines Taugenichts: NovelleOpen Original Text The Project Gutenberg eBook of Aus dem Leben eines Taugenichts: Novelle
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Title: Aus dem Leben eines Taugenichts: Novelle
Author: Freiherr von Joseph Eichendorff
Release date: February 18, 2011 [eBook #35312]
Most recently updated: January 7, 2021
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/35312
Credits: Produced by Jana Srna and the Online Distributed
Proofreading Team at https://www.pgdp.net
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS: NOVELLE ***
Produced by Jana Srna and the Online Distributed
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JOSEPH
VON
EICHENDORFF
AUS DEM LEBEN
EINES
TAUGENICHTS
NOVELLE
IM
INSEL VERLAG
ZU
LEIPZIG
Erstes Kapitel
Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht
lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten
und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte
mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen
Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit
Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schief auf dem
Kopfe, der sagte zu mir: »Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder
und dehnst und reckst dir die Knochen müde und läßt mich alle Arbeit
allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist
vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber
dein Brot.« -- »Nun,« sagte ich, »wenn ich ein Taugenichts bin, so ists
gut, so will ich in die Welt gehn und mein Glück machen.« Und eigentlich
war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vorher selber eingefallen,
auf Reisen zu gehn, da ich die Goldammer, welche im Herbst und Winter
immer betrübt an unserm Fenster sang: Bauer, miet mich, Bauer, miet
mich! nun in der schönen Frühlingszeit wieder ganz stolz und lustig vom
Baume rufen hörte: Bauer, behalt deinen Dienst! -- Ich ging also in das
Haus hinein und holte meine Geige, die ich recht artig spielte, von der
Wand, mein Vater gab mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg, und
so schlenderte ich durch das lange Dorf hinaus. Ich hatte recht meine
heimliche Freude, als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden
rechts und links, wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit
hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt
hinausstrich. Ich rief den armen Leuten nach allen Seiten recht stolz
und zufrieden Adjes zu, aber es kümmerte sich eben keiner sehr darum.
Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte. Und als ich endlich ins
freie Feld hinauskam, da nahm ich meine liebe Geige vor und spielte und
sang, auf der Landstraße fortgehend:
»Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.
Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was sollt ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?
Den lieben Gott laß ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt!«
Indem, wie ich mich so umsehe, kommt ein köstlicher Reisewagen ganz nahe
an mich heran, der mochte wohl schon einige Zeit hinter mit drein
gefahren sein, ohne daß ich es merkte, weil mein Herz so voller Klang
war, denn es ging ganz langsam, und zwei vornehme Damen steckten die
Köpfe aus dem Wagen und hörten mir zu. Die eine war besonders schön und
jünger als die andere, aber eigentlich gefielen sie mir alle beide. Als
ich nun aufhörte zu singen, ließ die ältere stillhalten und redete mich
holdselig an: »Ei, lustiger Gesell, Er weiß ja recht hübsche Lieder zu
singen.« Ich nicht zu faul dagegen: »Ew. Gnaden aufzuwarten, wüßt ich
noch viel schönere.« Darauf fragte sie mich wieder: »Wohin wandert Er
denn schon so am frühen Morgen?« Da schämte ich mich, daß ich das selber
nicht wußte, und sagte dreist: »Nach Wien«; nun sprachen beide
miteinander in einer fremden Sprache, die ich nicht verstand. Die
jüngere schüttelte einigemal mit dem Kopfe, die andere lachte aber in
einem fort und rief mir endlich zu: »Spring Er nur hinten mit auf, wir
fahren auch nach Wien.« Wer war froher als ich! Ich machte eine Reverenz
und war mit einem Sprunge hinter dem Wagen, der Kutscher knallte, und
wir flogen über die glänzende Straße fort, daß mir der Wind am Hute
pfiff.
Hinter mir gingen nun Dorf, Gärten und Kirchtürme unter, vor mir neue
Dörfer, Schlösser und Berge auf; unter mir Saaten, Büsche und Wiesen
bunt vorüberfliegend, über mir unzählige Lerchen in der klaren blauen
Luft -- ich schämte mich, laut zu schreien, aber innerlichst jauchzte
ich und strampelte und tanzte auf dem Wagentritt herum, daß ich bald
meine Geige verloren hätte, die ich unterm Arme hielt. Wie aber dann die
Sonne immer höher stieg, rings am Horizont schwere weiße Mittagswolken
aufstiegen und alles in der Luft und aus der weiten Fläche so leer und
schwül und still wurde über den leise wogenden Kornfeldern, da fiel mir
erst wieder mein Dorf ein und mein Vater und unsere Mühle, wie es da so
heimlich kühl war an dem schattigen Weiher und daß nun alles so weit,
weit hinter mir lag. Mir war dabei so kurios zumute, als müßt ich wieder
umkehren; ich steckte meine Geige zwischen Rock und Weste, setzte mich
voller Gedanken auf den Wagentritt hin und schlief ein.
Als ich die Augen aufschlug, stand der Wagen still unter hohen
Lindenbäumen, hinter denen eine breite Treppe zwischen Säulen in ein
prächtiges Schloß führte. Seitwärts durch die Bäume sah ich die Türme
von Wien. Die Damen waren, wie es schien, längst ausgestiegen, die
Pferde abgespannt. Ich erschrak sehr, da ich auf einmal so allein saß,
und sprang geschwind in das Schloß hinein, da hörte ich von oben aus dem
Fenster lachen.
In diesem Schlosse ging es mir wunderlich. Zuerst, wie ich mich in der
weiten kühlen Vorhalle umschaue, klopft mir jemand mit dem Stocke auf
die Sc Next |