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Die seltsamen Geschichten des Doktor Ulebuhle

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The Project Gutenberg eBook of Die seltsamen Geschichten des Doktor Ulebuhle
 
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before using this eBook.

Title: Die seltsamen Geschichten des Doktor Ulebuhle

Author: Bruno Hans Bürgel

Illustrator: Edmund Fürst

 
Release date: October 14, 2020 [eBook #63460]
 Most recently updated: October 18, 2024

Language: German

Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/63460

Credits: Produced by Jens Sadowski

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SELTSAMEN GESCHICHTEN DES DOKTOR ULEBUHLE ***

 Die seltsamen Geschichten
 des
 Doktor Ulebuhle

 Zeichnungen
 von
 Edmund Fürst

 Die seltsamen Geschichten
 des
 Doktor Ulebuhle

 Ein
 Jugend- und Volksbuch

 von
 Bruno H. Bürgel

 1920
 Verlag Ullstein & Co, Berlin

 Alle Rechte vorbehalten
 Copyright 1920 by Ullstein & Co
 Berlin

 Inhalt

 Ein Vorwort für die Großen VII
 Vom Doktor Ulebuhle 1
 Die versunkene Stadt 6
 Der Wassertropfen 16
 Gespenster-Heinrich 30
 Der Diamant und seine Brüder 44
 Der alte Baum 56
 Johann der Wunderbare 60
 Das Zündholz und die Kerze 73
 Der Weltuntergang 83
 John Dolland, der Taucher 87
 Das Herz und die Taschenuhr 110
 Ein Tag auf dem Monde 115
 Die Schwalbe und der Telegraphenpfahl 135
 Der Eisberg 142
 Die Busennadel 151
 Der Tod in der Flasche 161
 Als die Sonne feierte 176
 Der gläserne Sarg 184
 Gebrüder Sturm 188
 Die sonderbare Welt 211

 Ein Vorwort für die Großen

Der deutschen Kinderwelt steht eine Fülle von wundervollen
Märchendichtungen zur Verfügung. Sie alle sind so gemütvoll, anziehend
und phantasiereich, ja zum Teil (insbesondere für den Erwachsenen) so
reich an ernsten Gedankengängen, daß sie auch in unserer immer
materialistischer werdenden Zeit das Herz des Kindes wie des
Erwachsenen, der sich ein Plätzchen für das Stille und Beschauliche
bewahrt hat, mit Freude erfüllen werden.

Dennoch entgeht es wohl dem tiefer Blickenden nicht, daß die Jugend des
zwanzigsten Jahrhunderts, insbesondere die Großstadtjugend, und auch da
wieder vor allem die Buben, sobald der erste Schmelz der Kindlichkeit
dahin ist, kein rechtes Verhältnis mehr zu diesen Märchen gewinnt. Es
geht dem alten poesievollen Märchen so ähnlich wie dem so reizenden
Kasperletheater unserer _eigenen_ Jugendtage: Die oft recht wenig
poesievolle und noch weniger zum Kinderherzen sprechende flimmernde
Leinwand hat es zum alten Eisen geworfen.

Die Zeiten haben sich geändert! Man kann das bedauern, aber schwer
ungeschehen machen. Das Kind des zwanzigsten Jahrhunderts hat einen
starken _Wirklichkeitssinn_ und eine große Hinneigung zu _technischen_
Dingen, mit denen es ja auch tagtäglich -- zum mindesten in größeren
Orten -- in engste Berührung kommt. Kein Wunder, daß es mit einer
mechanischen Eisenbahn lieber spielt als mit dem hölzernen Harlekin, der
einmal _unsere_ Freude war, und kein Wunder auch, wenn es spannend
geschriebene Erzählungen, in denen moderne technische Wunder und
aufregende Abenteuer eine Rolle spielen, lieber liest als das Märchen
vom Wolf und vom Rotkäppchen, das sein Wirklichkeitssinn einfach als
»unsinnig« beiseite schiebt, während wir Großen erst wieder das
Symbolische darin zu würdigen wissen.

Aus solchen Erwägungen heraus sind die vorliegenden Geschichten
entstanden. Es sind gewissermaßen _naturwissenschaftliche_ Märchen.
Märchen nur der _Form_ nach; ihr Kern besteht aus leicht faßlichen
naturwissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen und Erfahrungen,
und wenn die Kinder dieses Buch mit einigem Interesse (wie ich hoffen
darf) gelesen haben werden, so haben sie eine ganze Masse dabei gelernt
und sich doch gut unterhalten. Auch der Humor und eine kleine moralische
Nutzanwendung kommen da und dort zu ihrem Recht.

Als ich vor nunmehr zwanzig Jahren zum erstenmal den Versuch machte, in
der hier vorgetragenen Weise das »Märchen des zwanzigsten Jahrhunderts«
zu schaffen, fanden die wenigen Proben eine so allgemein günstige
Aufnahme, daß ich den oft mir geäußerten Wünschen, einen ganzen Band
solcher Erzählungen herauszugeben, glaubte nachkommen zu sollen. Wozu
mir schöne Friedensjahre nicht Zeit ließen, das entstand dann in langen
Kriegsjahren draußen »an französischen Kaminen«. Im Kriege ersonnen, in
Revolutionstagen niedergeschrieben, mögen diese Erzählungen, das ist
mein Wunsch, den deutschen Kindern, die nicht minder schwer als wir
Großen die Härte der Zeit gespürt, ein wenig Freude und ein wenig
Sonnenschein bringen.

 Bruno H. Bürgel

Neubabelsberg bei Potsdam

 Vom Doktor Ulebuhle

Meine lieben jungen Freunde! Ehe ihr nun die Geschichten des Doktor
Ulebuhle lest, wollt ihr sicher auch wissen, wie sie denn zustande
gekommen sind, und was es mit dem Ulebuhle für eine Bewandtnis hat.
Eigentlich hieß er gar nicht so, und wie in Wahrheit sein Name war, das
haben die Kinder nie erfahren, oder sie hatten es wieder vergessen, aber
so viel weiß ich, daß er ein schnurriger Kerl war, so schnurrig wie der
Name, den ihm die Leute gegeben hatten.

Da unten im Harzgebirg mit seinen dunklen Tannenbergen liegt die alte
Kaiserstadt Goslar, mit ihren uralten spitzen Türmen, seltsamen Torbogen
und engen Gassen mit wunderlichen, jahrhundertealten Häusern am Fuße des
Rammelsberges, in dem tief, tief unter der Erde die Bergleute pochen.
Vor vielen Jahren lebte da der Doktor Ulebuhle. Er bewohnte ganz allein
eines jener etwas windschiefen, mittelalterlichen Häuser, die verwundert
aus ihren vom Alter fast erblindeten winzigen Fensterchen in die neue
Zeit hineinblinzeln. Oben auf dem Hause war ein Turm, gedeckt mit lauter
Schiefertafeln, fast so wie die, mit denen wir Buben zur Schule zogen,
und da oben hatte Ulebuhle ein großes Fernrohr stehn, mit dem man den
Mond und die Kometen betrachten konnte. Und dann waren da im Hause ein
paar ganz einfache Zimmerchen, mit alten Möbeln und seltsamen Uhren und
allerlei Schnickschnack, und eines davon war ganz mit Büchern
vollgestopft, daß man nicht wußte, wohin man treten und wohin man sich
setzen könnte. Nebenan sah es noch viel toller aus! Das wahre Museum.
Ausgestopfte Tiere, versteinerte Fische und Schnecken, Tiergeripp und
Totenbein, und Schmetterlingssammlungen und seltene Käfer. Erdglobus und
Himmelsglobus, Elektrisiermaschinen und Mikroskope, hundert Instrumente
und weiß der Teufel was noch für Krimskrams.

Und da hauste der alte Ulebuhle ein Leben lang wie ein Maulwurf in
seinem Bau. Er hatte keine Frau und keine Kinder; ein ganz altes
Weiblein mit einer großen schwarzen Haube besorgte alles und war der
einzige Mensch, mit dem sich Ulebuhle vertrug, den

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